Mein Semester in Peking

 
18Juli
2017

Die letzten paar Tage in der Volksrepublik China – Shanghai again!

Zum Abschluss war es dann an der Zeit, dass ich Shanghai noch eine Chance gebe. Es ging zunächst noch einmal in die hübschen Yu Gärten, wo wir die Kois und Schildkröten bestaunen konnten. Allerdings sind die Gärten auch typisch chinesisch und nichts ist vernünftig ausgeschildert. Man sieht ein Schild, das zu einer Jade-Ausstellung zeigt, also geht man in diese Richtung, aber hinter der Ecke sind dann komplett andere Sachen ausgeschildert, ohne, dass man an einer Jade-Ausstellung vorbeigekommen wäre. So sind wir dann eher planlos durch die Gärten geirrt, aber schön sind sie ja wenigstens. Am Ausgang haben wir dann auch gratis Pläne gefunden, wo es natürlich am meisten Sinn macht, die anzubieten.

Eine uns ständig begleitende Geräuschkulisse war das ziemlich laute Gekreische aus den Bäumen. Eine kurze Googlesuche hat ergeben, dass es sich dabei tatsächlich um eine Grillenart handelt, deren chinesischer Name übersetzt „Königsschreier“ heißt. Sehr treffend. Die Tiere machen einen unglaublichen Lärm, der schon fast in den Ohren wehtut und sie sind eigentlich überall. Es gab auch in Hong Kong kein Entkommen.

 

Wir hatten uns entschieden, dass wir uns die Stadt mit einer Hop-on-hop-off Tour angucken wollen, also haben wir von den Gärten aus den ersten Bus genommen und sind eine Weile auf der einen Linie einfach durch die Gegend gefahren und haben uns angehört, was die so zu sagen haben über Shanghai. Die deutsche Erzählerstimme war aber kaum auszuhalten, so nervig war sie. Man hatte regelrecht einen pickligen, unsicheren 18-Jährigen vor Augen, dem gesagt wurde, er müsse motiviert klingen. Seine verzweifelten Bemühungen waren jedoch umsonst. Ich habe dann festgestellt, dass die englische Version doch deutlich angenehmer ist.

Was ich beim ersten Mal in Shanghai auf meiner Liste hatte, wo ich es aber nicht hingeschafft habe, war die Gründungsstätte der kommunistischen Partei Chinas. Also haben wir das diesmal nachgeholt. Beim Betreten muss für das gratis Ticket erstmal an einem Automaten der Fingerabdruck gescannt und natürlich die Taschen kontrolliert werden.

Auch wenn es dort eigentlich nicht so allzu viel zu sehen gibt, fand ich es sehr interessant, mir die Stelle anzugucken, wo sie ihre erste Nationalversammlung gehalten haben.

  Hier wurde die erste Versammlung der Kommunistischen Partei abgehalten

Als wir uns eine Straße mit Art-Déco-Häusern angucken wollten (die übrigens zwar ganz hübsch, aber jetzt auch nichts so Besonderes war, wie im Reiseführer angepriesen), sind wir dann auf ein „Jazz-Festival“ gestoßen. Eigentlich waren es mehr ein paar Stände, die Werbung für ihre Restaurants machen wollten. Dabei haben wir dann auch einen Thermomix-Stand gefunden. Die gute deutsche Qualität von Vorwerk macht also auch vor China keinen Halt.

Danach wollte ich eigentlich Mama endlich Hotpot zeigen. Nachdem wir am Abend davor in Pudong, dem Geschäftsviertel mit den Hochäusern, vergeblich gesucht haben, weil der Haidilao, zu dem wir wollten, geschlossen war, wurde es am letzten Abend in China dann wohl mal Zeit. Nach ewigem Suchen haben wir dann auch das Gebäude gefunden, aber der Aufzug fuhr nur bis ganz nach oben in das Kino, nicht aber zu Haidilao. Tja, leider wird das Gebäude renoviert und die Läden sind daher bis auf das Kino geschlossen. Also gab es keine tolle Hotpot-Erfahrung für Mama. Ich hätte ihr gerne den Nudeltanz gezeigt, den der Typ, der die Nudel macht, am Tisch für einen vorführt.

Auch wenn kein Haidilao zu finden war - beeindruckend ist Pudong schon

Da Mama direkt am Anfang gesagt hat, dass die zwei Dinge, die sie machen will, die Yu Gärten und eine Bootsfahrt auf dem Huangpu sind, wollten wir dann noch zum Fluss und ein Ticket für die Bootstour kaufen. Nach ein paar Minuten anstehen hieß es dann aber plötzlich, dass es keine Tickets mehr gibt und sie schließen. „Kommt morgen wieder“. Klar, können wir ja auch so gut, wenn wir morgens schon weiterfliegen. Dann haben sie aber gesagt, dass es noch andere Ticketschalter gibt, die eventuell noch Tickets haben. Wir sind also zum nächsten Schalter ein paar Meter den Fluss runtergegangen, wo es tatsächlich noch Tickets gab. Allerdings hat mich die Frau angeschrien, ich wusste nicht, was los war. Sie hat mir dann auf dem Ticket gezeigt, dass wir schon in 10 Minuten da sein müssen und noch ein Stück weitergehen müssen. Also hat sie uns wohl angeschrien, dass wir wenn dann rennen müssen. Und den Weg hat sie wohl auch noch erklärt, was wir aber auch erst im Nachhinein gedeutet haben. Nachdem wir nämlich an der Stelle waren, wo man nicht links hochgehen, sondern nach rechts weitergehen musste, ergab die Pantomime dann plötzlich einen Sinn. Wir sind also zum Boot gerannt, unsere Panik war jedoch umsonst, wir hatten noch locker Zeit und das Boarding hat dann auch nochmal eine Weile gedauert. Dafür war unser Bier, was wir uns vorher gekauft hatten, um es gemütlich auf dem Boot zu trinken, gut durchgeschüttelt.

Die Bootsfahrt war dann sehr schön, man hatte einen wunderbaren Blick auf die Skyline bei Nacht. Mama und ich sind uns allerdings einig, dass wir den Bund mehr mögen. Das ist die Flussseite mit den alten Gebäuden, von denen die meisten Banken oder prestigeträchtige Hotels sind. Übrigens sind bei den Gebäuden auch nur die Fassaden prächtig, nur einen Meter die Seitenstraße rein gibt es keine toll ausgearbeitete Fassade mehr und es ist sehr dreckig. Aber das ist halt China, der Schein zählt.

Der Blick auf den Bund vom Boot aus Und noch einmal Shanghais Skyline bei Nacht - rechts steht

Am nächsten Morgen ging es dann Richtung Flughafen. Wir hatten zum Abschied nochmal einen der Pfannkuchen, die ich definitiv zu Hause auch mal nachmachen möchte. Und dann haben wir ewig nach der U-Bahnhaltestelle gesucht, weil schlauerweise zwei Pfeile aufeinander zu gezeigt haben und wir ein wenig durch die Gegend geirrt sind. Der Mann, den ich dann schließlich nach dem Weg gefragt habe, sagte zunächst, er hätte mich nicht verstanden. Nachdem ich meine Frage wiederholt hatte, nickte er und zeigte nach rechts. Drei Schritte weiter konnten wir dann den Eingang zur U-Bahn sehen – links. Das ist auch so eine Sache, die wir in China häufig hatten. Wenn man nach dem Weg fragt, wollen die meisten die Fremden, die sie nicht verstehen, einfach nur loswerden. Eigentlich sollte man immer nur Gruppen nach dem Weg fragen, dann hat man so etwas wie eine Mehrheitsmeinung – oder einfach nur eine größere Chance, dass man verstanden wird und diese Person einem dann auch tatsächlich den Weg weist.

 

Zusatzmaterial: Apotheken in China

In China ist es üblich, dass man bei den momentanen Temperaturen dann in Gebäuden schön die Klimaanlage voll aufdreht. Das ist dann nicht nur immer ein wunderbarer Wechsel von verschwitzt in der Hitze zu kalt, sondern meistens auch noch sehr zugig und natürlich nimmt man bei über 30°C auch keine Jacke mit. Ich hatte Zeit, mich daran langsam zu gewöhnen, während die Temperaturen stiegen, Mama allerdings nicht. Also hat sie sich erstmal eine schöne Erkältung geholt. Ohne irgendwelche Medikamente mitgebracht zu haben, war unsere einzige Möglichkeit, gegen Halsschmerzen anzugehen, zur Apotheke zu gehen. Das erste Mal haben wir das dann in Peking versucht, wir sind zusammen in die Apotheke, ich sagte „ta sangzi teng“ (sie hat Halsschmerzen), und die Apothekerin nickte. Dann hat sie uns in einen Hinterraum geführt, wo sie uns mehrere Sachen zeigte und etwas fragte, was ich nicht verstanden habe. Auf ein Husten ihrerseits wurde es uns dann jedoch klar. Nein, kein Husten, nur Halsschmerzen. Mama wurden zwei Päckchen Medikamente gegeben, von denen sie (glauben wir zumindest) dann jeweils zwei täglich nehmen sollte. Die Tablettenstreifen waren zusätzlich innerhalb der Verpackung nochmal in Alu eingepackt – einmal verpacken reicht den Chinesen nämlich nicht.

Da leider die Außentemperatur weiter hoch und die Innentemperatur weiter deutlich niedriger war, hat sich zu den Halsschmerzen dann doch irgendwann Husten und Schnupfen gesellt, die nicht von der traditionellen chinesischen Medizin bekämpft wurden. Also haben wir in Shanghai unser Glück nochmal versucht. Dazu sind wir sogar in die berühmte Shanghai No. 1 Pharmacy gegangen, ein großes Apothekenhaus auf der East Nanjing Road. Ich habe gesagt, dass Mama eine Erkältung hat, wir wurden zu einer anderen Frau im hinteren Bereich weitergeschickt, die uns zwei Medikamente zur Auswahl hingelegt hat. Mama hat demonstrativ gehustet, die Frau hat eins wieder weggenommen und eine Rechnung ausgestellt, mit der wir dann wieder zu einer anderen Frau getrabt sind. Nachdem wir bezahlt hatten, konnten wir dann mit der Quittung endlich die Medizin mitnehmen. Diesmal waren dann immer jeweils zwei Tabletten in einem Bläschen, also immer genau eine Tagesration. Also muss man nach der ersten Tablette dann den Tag über aufpassen, dass man die zweite nicht verliert. Chinesen

34°C abends um 19:30 - Dass man mit den kalten Klimaanlagen da dann krank wird, ist nicht überraschend

15Juli
2017

Xi'an

Es war dann also soweit: ich habe mich endgültig von Peking verabschiedet. Am 03.07. ging es dann über Nacht für Mama und mich mit dem Zug nach Xi’an (ausgesprochen in etwa Schi-An).

Mama und ich sehen anscheinend aus wie kleine schwächliche Mädchen, die es nicht schaffen, ihre Koffer alleine zu tragen. In Peking gibt es in der U-Bahn generell eigentlich so gut wie nie Rolltreppen nach unten, sodass wir unsere Koffer halt des Öfteren mal tragen mussten. Da es warm und die Koffer unhandlich waren, musste man mit schwitzigen Händen ab und an mal kurz abstellen, bevor man weitergehen konnte. Vorbeilaufende Chinesen haben das anscheinend als Zeichen genommen, dass man uns den Koffer auf jeden Fall abzunehmen hat, auch gegen unseren Willen. Teilweise wurde uns der Koffer regelrecht aus der Hand gerissen.

Im Zug angekommen war der Mann in unserem Abteil auch sehr freundlich und wollte unbedingt unsere Koffer für uns auf die Ablage hochheben. Obwohl wir ihm gesagt haben, dass er sehr schwer ist, war er dann über das Gewicht überrascht, beim zweiten Koffer konnten wir ihn dann überzeugen, dass man den ja auch unter die Liege packen kann. Auch wenn er ja sehr hilfsbereit und nett war, so war er doch auch etwas nervig: irgendwann hat er angefangen, sehr häufig und sehr laut zu rülpsen, was ihm anscheinend auch absolut nichts ausgemacht hat. Aus Deutschland ist man ja eher gewöhnt, dass man sich dann zumindest dafür entschuldigt in Gesellschaft, nicht aber in China. Und natürlich hat er auch regelmäßig so richtig schön in den Mülleimer gespuckt. Chinesen halt yell

Am nächsten Morgen an unserem Hostel angekommen durften wir dann feststellen, dass sie dort eine Katze haben. Ich habe mich bei meinem Katzenentzug natürlich besonders gefreut, aber die Tatsache, dass die Katze an der Leine war, war eigentlich dann doch eher traurig. So sollte eine Katze nicht gehalten werden, das ist viel zu wenig Raum für ein Tier. Aber das ist nunmal leider die Einstellung zu Haustieren, die viele Leute in China haben: sie sind Accessoires und bringen ein wenig Beschäftigung, mehr auch nicht.

Wir sind nach dem Duschen dann direkt los zum Hauptgrund unseres Besuchs in Xi’an: die Terracotta-Armee. Wir sind also zum Bahnhof zurück, um von dort aus den Shuttlebus zu nehmen. Am Bahnhof warteten jede Menge Busse mit der richtigen Nummer, wir wurden aber von zwei Leuten angeschrien, dass wir unbedingt ganz schnell in den einen Bus vorne einsteigen müssen, der gerade losfuhr. Also sind Mama und ich hinterher gerannt, gemeinsam mit der einen Frau, die uns angeschrien hat und sind in den fahrenden Bus gesprungen. Warum es jetzt so wichtig war, diesen Bus zu nehmen, wissen wir nicht. Vor allem, da der Bus zwischendurch auch immer mal wieder mitten auf der Straße angehalten hat um Leute ein- oder aussteigen zu lassen. Oder damit die Frau, die das Geld kassiert (und uns am Anfang angeschrien hatte), aussteigen und etwas zu Essen für sich und den Fahrer holen konnte. Eigentlich hätte der Bus ja mit wenigen Halten zur Terrakotta-Armee fahren sollen, aber wir hatten dann das Glück, dass wir sogar zwischendurch vom nächsten Bus überholt wurden.

Irgendwann haben auch wir dann die gewünschte Haltestelle erreicht. Von da aus mussten wir uns unseren weiteren Weg allerdings erahnen, weil wegen China und so. Es ist lange Zeit die Ticket Office ausgeschildert, plötzlich stellt man dann aber fest, dass man schon eine Weile geradeaus läuft, ohne ein weiteres Schild gesehen zu haben. Tja, hätte man ja wissen müssen, dass da hinten dann auf eine andere Art ganz klein ausgeschildert ist, dass man nach rechts muss. Aber mit etwas Suchen konnten wir auch erfolgreich unsere Tickets kaufen und den Eingang finden (der übrigens neben den super groß ausgeschilderten Toiletten auch leicht zu übersehen war; wer will sich denn schon die Ausgrabungshallen angucken, Toiletten haben Vorrang).

Die ganze Ausstellung fing erstmal damit an, dass gezeigt wurde, wie toll das Museum ist, wie großartig es sich entwickelt hat, wie gut sie im Instandhalten der Relikte sind und wie wichtig diese für die Menschheit sind. Selbstbeweihräucherung ist in Ausstellungen ganz normal hier, solche Beschreibungen darüber, wie gut die alten Sachen erhalten werden, sieht man eigentlich überall. Im Sommerpalast kommt dann zum Beispiel auch noch dazu, dass quasi zu jedem einzelnen Gebäude zunächst einmal geschrieben wird, dass die Französisch-Englischen Besatzer es 1860 zerstört haben und es 1890 wieder aufgebaut wurde.

Nun etwas über die Terrakotta Armee:

Es war schon ziemlich beeindruckend, diese so bekannte Stätte wirklich zu sehen. Es handelt sich dabei um die Grabanlage für den ersten chinesischen Kaiser, Qin Shihuangdi, welcher 210 v.Chr. dort beerdigt wurde. Die berüchtigte Armee besteht geschätzt aus über 8000 Figuren (!), zusätzlich Pferden, Streitwagen, Waffen. Der chinesische Name bingmayong 兵马俑 bedeutet übrigens übersetzt „Soldaten-Pferde-Totenfiguren“, also eigentlich eine bessere Beschreibung als "Terrakotta-Armee".

Nicht alle sind so gut erhalten

Danach wollten wir uns dann auch noch das Grab des Kaisers sehen. Da es ja eine ganz besondere Sache war, dass das Mausoleum und die Armee jetzt ein Museum sind und man ja auch nur das Kombi-Ticket kaufen kann, wäre es eine Schande gewesen, dieses wunderbar instandgehaltene Mausoleum zu verpassen. Aber den Weg dahin musste man sich auch erstmal wieder irgendwie erraten, da es keine lesbaren Karten gab und die einzige sinnvolle/verständliche Aussage, die wir dazu erhalten konnten, war, dass wir zur Ticket Office müssen. Auf unserer Odyssee haben wir uns mit einer kleinen Gruppe Amerikaner mit demselben Ziel zusammengeschlossen. Und siehe da: nach geraumer Zeit haben wir tatsächlich hinter dem Ticket Office ein Shuttle Bus Terminal gefunden – das allerdings geschlossen war. Nach Überwindung unserer Verwirrung, da dort auch überall stand, dass die Busse noch über eine Stunde lang fahren, haben wir dann festgestellt, dass man seitlich an der Haltestelle vorbeigehen kann und dahinter eine noch vielversprechendere Haltestelle war, an der sogar tatsächlich (man wagt es kaum zu glauben) Busse zum Mausoleulm fahren. Der Hammer! Das Mausoleum war dann ein Hügel mit einem Steindenkmal davor, mehr eigentlich nicht. Vielleicht wäre der Park noch sehr schön gewesen, aber für eine richtige Erkundungstour war der Tag schon zu lang und voller Laufen gewesen und die Temperatur definitiv zu hoch.

Wir sind nach Xi’an zurückgefahren und sind da noch ein bisschen an der alten Stadtmauer langgelaufen. Die Stadtmauer ist wohl die einzige fast vollständig erhaltene in China. Xi’an war sogar die erste Hauptstadt Chinas (in der Qin-Dynastie) und danach auch immer mal wieder. Des weiteren war die Stadt der Startpunkt der Seidenstraße. Auch wenn man als Tourist hauptsächlich von Xi’an gehört hat, weil die Terrakotta Armee in der Nähe liegt, hat die Stadt also auch sonst einiges zu bieten.

Die Stadtmauer Xi'ans

Die weiteren Wahrzeichen der Stadt, den Drumtower und den Belltower, haben wir nachts beleuchtet gesehen, es war wunderschön. Um die Türme sind sehr viele Vögel gekreist, die scheinen die Ruhe in den nachts für Besucher gesperrten Türmen zu genießen. Auch durch das muslimische Viertel sind wir noch geschlendert (beziehungsweise habe ich Mama geschleift mit ihrer Erkältung, die sie sich durch die Klimaanlagen geholt hat), wo es sehr belebt zugeht, viel Streetfood angeboten wird, es gut riecht und überall etwas zu sehen gibt.

Der Belltower Der Drumtower Das muslimische Viertel

Am nächsten Tag sind wir in die beiden Türme dann auch reingegangen. Wie auch in Peking dienten sie früher dazu, die Zeit anzusagen. Im Trommelturm haben wir dann eine Musikvorführung zeitlich perfekt mitgekriegt – man muss ja auch mal Glück haben, was Timing angeht. Und ich konnte meinen Augen nicht trauen: der Engländer, den wir auf dem tollen, ewig langen Bustrip nach Shaanxi (dieselbe Provinz, in der Xi’an ist) kennengelernt haben, stand da im Trommelturm. Die Welt ist halt einfach klein, wie ich immer wieder feststelle.

Der Blick vom Belltower war schon schön Die große Glocke Die Trommeln am Drumtower Musikvorführung

Im muslimischen Viertel haben wir uns dann zwischen den ganzen Möglichkeiten für ein Essen entscheiden müssen und haben eine sehr gute Wahl getroffen. Danach sind wir dann irgendwie über die große Moschee von Xi’an gestolpert, also haben wir beschlossen, dass wir sie uns auch angucken können, wenn wir denn schonmal da sind. Das war auch gut so, denn die Moschee war sehr schön. Ich hatte allerdings eine kurze Hose und ein Top an, weshalb ich einen Umhang zum Überziehen gekriegt habe. Anscheinend lag es aber wohl nur an meinen freien Schultern, eine ist an mir vorbeigegangen mit einem Rock, der so kurz war, dass ich von hinten alles sehen konnte – aber sie hatte ein T-Shirt an, also alles gut anscheinend.

Der Umhang schien aber sehr verlockend zu sein, weil ich eine Katze zu mir locken wollte und die direkt beschlossen hat, dass man sich unter mir gut hinlegen kann, weil man da gut geschützt ist. Also bin ich erstmal eine Weile da hocken geblieben, mit der Katze unter mir.

Streetfood, ... ... Streetfood, ... ... und noch mehr Streetfood. Nachtisch gab es auch Ein Gebäude der großen Moschee Und noch ein Anblick, den man hinter den Mau er Mernoschee genießen durfte.

Nach den ganzen Strecken, die wir immer laufen mussten, haben Mama und ich beschlossen, dass man sich für 20 yuan (ca. 3€) mal eine Fisch-Pediküre gönnen kann. Zunächst saßen wir dann da eher kreischend als genießend mit unseren Füßen im Wasser, weil die Fische direkt drauf los knabbern, aber nach einer Weile gewöhnt man sich dann dran und es sehr lustig. Ein Fisch hat allerdings ständig an einer Kruste an Mamas Fuß geknabbert, die sie sich geholt hat, als sie sich einen Koffer auf den Fuß geschmissen hat. Dieser eine Fisch wusste anscheinend genau, was er will, im Herzen ist er nämlich ein Piranha.

Ich muss sagen, ich hätte gerne noch mehr Zeit in Xi'an verbracht, es ist eine unglaublich schöne Stadt mit toller Atmosphäre. Außerdem hätte ich noch eine Woche nur das ganze Essen ausprobieren können! Aber unser Plan sah anderes vor. Shanghai calling! Also ging es am Abend auf zum Bahnhof.

 

10Juli
2017

Hallo Mama, willkommen in Beijing!

Mama ist da! Und ich habe ihr dann nochmal ein paar Tage lang mein Zuhause der letzten paar Monate gezeigt, meine Lieblingsorte und -restaurants.

Direkt in den ersten beiden Tagen hat sie die volle Ladung China bekommen, das Spucken, die squatting toilets, das Anrempeln und Vordrängeln in der Schlange, die Höflichkeit in allen anderen Momenten, bei denen es nicht darum geht, als erster irgendwo zu sein, die Menschenmengen, U-Bahnfahrten, Kinderpos, die aus aufgeschlitzten Hosen rausgucken, Streetfood, schreiende Menschen, Radfahren in Peking, angestarrt werden wie Affen im Zoo, Fotos mit wildfremden Menschen und überfüllte Straßen, bei denen man nicht gefahrlos bei grün über die Ampel gehen kann. Eigentlich die ganze China-Erfahrung sehr komprimiert.

Wir haben uns hauptsächlich die ganzen Touristenattraktionen nochmal angeguckt: Lamatempel, verbotene Stadt und Tian’anmen-Platz, die Houhai-Seen bei Nacht, Hutongs, die Große Mauer, Olympiapark, Sommerpalast, Beihai Park und Himmelstempel. Alles in allem eine Peking-Abschiedstour für mich, bei der ich mich von allem verabschieden konnte. Neu für mich waren die Ming-Gräber, zu denen ich es bisher irgendwie noch nicht geschafft hatte. Und Mama hat ihr allererstes Selfie gemacht.

Hutongs - wunderbar zum Schlendern und Entdecken interessanter Sachen Verbotene Stadt - Wir waren da Die Suzhou Street im Sommerpalast Das sieht man eigentlich auch recht häufig: Männer, die mit Wasser Schriftzeichen auf den Boden malen Das sieht man eigentlich auch recht häufig: Männer, die mit Wasser Schriftzeichen auf den Boden malenJap Jap, wir waren so richtige Touristen Das Bird's Nest Stadium und der Water Cube bei Nacht

Der Himmel über Peking war leider die ganze Zeit nicht besonders freundlich, die Sonne hat durch die trübe Wolkendecke hindurch auf uns niedergebrannt. Auf der Mauer haben wir regelrecht gelitten, man konnte sich die Sauna sparen, die 38°C waren schweißtreibend genug beim Erklimmen der Stufen. Zum Glück hatten wir uns entschieden, den Shuttlebus und die Seilbahn hoch zu nehmen. Runter sind wir dann gerutscht. Es war sehr lustig, allerdings haben die vor uns, die ab und an mal angehalten haben und dann langsam gefahren sind, doch etwas genervt, weil sie alles aufgehalten haben. Hinter uns war auch schon eine riesige Schlange, weil alle hinter der einen Frau hertuckern mussten.

Mal wieder die Mauer - diesmal bei quasi unerträglicher HitzeEinmal an der Mauer entlang runterrutschen - die Bremse vor Mama ist auch zu sehen

Damit ihr euch vorstellen könnt, wie warm und schwül es war: ich wollte einmal ein Foto von Mama machen und habe sie gebeten, zu lächeln. Ihre Antwort: „Ich kann nicht lächeln, mir ist grade Schweiß ins Auge getropft.“

Ein weiterer „schöner“ Anblick, der Mama erwartete, war der hübsche „Beijing Bikini“: hauptsächlich dicke Männer ziehen ihr T-Shirt bis zur Brust hoch und laufen bauchfrei rum, weil es so warm ist. Die aufgeschlitzten Babyhosen ohne etwas drunter oder nur Schürzen, die man so oft sieht, sind ja wenigstens noch süß. Babypopos strecken sich einem allerdings weniger entgegen, als Männerbäuche. „Beijing Bikini“ ist übrigens nur ein Ausdruck, den ich einmal dafür gelesen habe; man trägt es allerdings auch andernorts, so zum Beispiel in Xi’an.

Ein paar Strecken haben wir in Peking mit den eigentlich überall auffindbaren gelben Fahrrädern zurückgelegt. Diese Räder gehören der bike-sharing-Firma ofo und können mithilfe der App geöffnet werden. Man scannt einfach den QR-Code am Rad und erhält dann die Ziffernfolge, mit welcher das Schloss geöffnet werden kann. Dann kann man damit fahren, wohin man will und wenn man absteigt, kann man das Rad einfach überall wieder abschließen und stehenlassen, wo es einem gerade passt. Da durch GPS die Position verfolgt wird, kann dann der nächste in der Nähe, der ein ofo sucht, sehen, wo im Umkreis eins abgeschlossen wurde, sodass er dann hinfahren kann, wohin er will. Zugegeben, die Räder sind nicht grade die besten, es gibt nur einen Gang und oft haken sie etwas, aber diese Erfindung ist genial. Allerdings wahrscheinlich nicht mehr lange, allzu rentabel scheint mir das Ganze nicht zu sein, da bei mir zum Beispiel fast nie Geld dafür berechnet wurde, dass ich gefahren bin. Vielleicht wird erst ab einer bestimmten Fahrzeit berechnet? Das kann ich nicht sagen. Aber die Kosten für die Instanthaltung der Räder und das Einsammeln verteilter Räder in der Nacht, um sie an bevorzugte Parkplätze (zum Beispiel vor Haltestellen) zu bringen, übersteigt wahrscheinlich die Einnahmen durch das Fahren. Allerdings muss man beim Anmelden eine Kaution bezahlen, welche jetzt auch anscheinend erhöht wurde, sodass sich die Firma dadurch eventuell finanzieren kann. Nicht jeder ist nur für kurze Zeit in China, um die App zu nutzen.

Peking per Rad

Neben ofo gibt es übrigens auch andere ähnliche Anbieter, wie zum Beispiel die orangenen mobikes oder blauen blue gogos. In Peking ist aber gelb die häufigste Radfarbe.

 

Ein paar Dinge sind natürlich auch mal wieder passiert, die einem so auch nur in China passieren können. Im Sommerpalast hatte ich einen Moment, wo ich durch totale Schlagfertigkeit glänzen konnte und endlich mal Leute zum Lachen gebracht habe, nicht, weil ich so eine merkwürdige Ausländerin bin, die bescheuerte Sachen macht. Ich habe ja bestimmt schon das ein oder andere Mal erwähnt, dass man ständig angestarrt wird. Des Öfteren zeigen die Leute auch auf einen und reden über die Ausländer, als wäre es ja klar, dass wir sie eh nicht verstehen (oder als würde es sie auch nicht interessieren, sie starren und machen ja auch Fotos, nachdem man sie eindeutig bemerkt hat). Dieses Mal konnte ich es aber nicht mehr nur mit einem genervten Augendrehen quittieren. Ein Mann mit Kind ist an uns vorbeigegangen und hat mit Kinderstimme mehrmals sehr laut „waiguoren“ (Ausländer) gesagt. Daraufhin habe ich dann „zhongguoren“ (Chinese) geantwortet. Zumindest die Leute um uns rum haben es gehört und gelacht, mir wurde von einer Frau anerkennend zugenickt, auch wenn der Kerl es anscheinend nicht gehört hatte, da von ihm keinerlei Reaktion kam.

Beim Himmelstempel dachte ich, dass ich mal wieder nach einem üblichen Foto gefragt wurde. Ja, die Frau wollte halt ein Foto mit mir. Dass sie mir aber plötzlich ihr Kind in den Arm drücken würde, hat mich doch etwas geschockt. Ein Schrei zu Mama hat dann wenigstens noch ein Beweisfoto gebracht:

 

Quasi auf den letzten Drücker habe ich es dann auch endlich einmal zu den Ming-Gräbern geschafft. Irgendwie denkt man die ganze Zeit, man hat ja noch so lange, aber gegen Ende des Auslandssemesters wird dann plötzlich die Zeit knapp, man hat Essays und alles Mögliche andere, was dringender ist und kommt dann doch nicht mehr dazu, bestimmte Dinge zu sehen. Mit Mama hat es aber endlich dann doch noch geklappt. Die Ming-Gräber sind die Gräber von 13 der insgesamt 16 Ming-Kaiser. Die drei Ming-Kaiser, die nicht dort begraben sind, sind Zhu Yuanzhang, der Begründer der Ming-Dynastie, welcher in Nanjing begraben ist, Zhu Yunwen, welcher verschwunden ist und Zhu Qiyu, welcher an einer anderen Stelle in Peking begraben wurde. Von den dreizehn Gräbern sind drei für die Öffentlichkeit zugängig.

Der Weg zu den Grabanlagen führte früher über den Seelenweg, von dessen 7 km heute 1 km für Touristen geöffnet ist. Dort befindet sich die größte Stele Chinas. Dahinter geht man einen sehr schönen Weg mit zwölf Paaren steinerner Tier- und Wächterskulpturen entlang. Die Tiere sind hierbei rechts und links jeweils einmal stehend und danach kniend dargestellt.

Von den drei tatsächlich zugänglichen Gräbern waren wir nur in dem größten, nämlich dem vom ersten Ming-Kaiser, der dort begraben wurde, Kaiser Yongle (1402-24), seiner Frau und seiner 16 Konkubinen. Chang Ling (so heißt diese Grabstätte) ist die größte der drei öffentlichen und war sehr beeindruckend, besonders, wenn man bedenkt, dass die betretbaren Hallen nur ein kleiner Teil des Ganzen sind und der riesige Grabhügel dahinter noch weitere unzählbare Schätze enthält.

Die Statue des dort begrabenen Kaisers

Was Mama interessantes bemerkt hat: das Obst an den Bäumen wurde einzeln in Papiertüten eingepackt. Warum wohl? Da wird wohl noch Freund Google gefragt werden müssen, wenn es uns nicht gerade nur in netzlosen Momenten nur wieder einfällt.

28Juni
2017

Die Innere Mongolei

Nachdem ich ja jetzt mit der Uni fertig bin, möchte ich mir natürlich noch etwas mehr von China angucken. Die Innere Mongolei kam mir da gerade recht, weil sie von Peking nicht weit entfernt ist und somit leicht zu erreichen für ein paar Tage. Also habe ich mich, nachdem ich mich am Samstag von der BNU verabschiedet habe, auf zum Bahnhof gemacht, wo ich den Nachtzug nach Hohhot genommen habe, der Hauptstadt der Inneren Mongolei. Das übliche Update nach Zugfahrten: diesmal wurden mir beide Deos, die ich in meinem Koffer hatte, abgenommen, selbst die kleine Packung, die man auch im Flugzeug mitnehmen darf. Was ist an der U-Bahn in Peking so besonders, dass man mit einer kleinen Dose Aerosol-Deo anscheinend großen Schaden anrichten kann?

Die Zugfahrt an sich war dann aber ziemlich gut, ich war etwas überrascht, dass die Hartschläfer-Liegen wirklich in Ordnung sind, da habe ich hier in China schon in härteren (wenn allerdings auch größeren) Betten geschlafen. Nach acht Stunden Zugfahrt in Hohhot angekommen, wurde ich vom Bahnhof abgeholt und gemeinsam mit fünf anderen, die aus Singapur kamen, wie sich später herausstellte, zum Hostel gebracht. Den gratis Abholservice vom Bahnhof finde ich super, das Anda Guesthouse kann ich nur jedem weiterempfehlen. Nicht nur, dass sie sich um alles kümmern, super nett sind und es schön gemütlich eingerichtet ist, man kann dort auch sehr gute Trips in der inneren Mongolei buchen, die authentischer sind, als viele andere. Dazu aber später mehr, zunächst einmal etwas über den ersten Tag in Hohhot:

Als ich ankam, war bei mir auch noch eine Amerikanerin im Zimmer, Abi. Wir haben beschlossen, uns gemeinsam etwas die Stadt anzugucken. Vorher hatten wir aber ein mongolisches Frühstück im Hostel. Sagen wir mal so: es war ziemlich interessant. Es bestand aus sehr harten Kuchen, die in den Milchtee gedippt werden mussten, damit man sie halbwegs abbeißen konnte, Käse, der nicht nach Käse geschmeckt hat, einer Korn-Zucker-Mischung, die ebenfalls in den Tee gedippt wird und halt Tee. Der Tee war alles andere, als erwartet, er war nämlich sehr salzig. Zum Dippen hat er sich gut geeignet, aber trinken konnte man davon nicht wirklich viel. Wir haben uns später mit den Singapurern darüber unterhalten, die haben uns zugestimmt, dass Tee wenn dann süß sein sollte, salzig ist einfach falsch.

Mongolisches Frühstück

Nach dem Frühstück sind Abi und ich dann los, wir wollten der Wegbeschreibung, die wir vom Hostel bekommen haben, zu einer Pagode in Hohhot folgen. Tja, China ist mal wieder passiert, sodass an der Bushaltestelle, an der wir eingestiegen sind, zwar die Haltestelle, an der wir aussteigen wollten, auf dem Fahrplan des Buses stand, wir aber irgendwie nicht angekommen sind. Als wir irgendwann festgestellt haben, dass wir ziemlich falsch gefahren sind, sind wir ausgestiegen und haben mal unsere Smartphones gefragt, wo wir sind. Anscheinend waren wir zu dem Zeitpunkt näher am Museum, als an der Pagode. Deshalb haben wir uns entschieden, baidu maps zu folgen und uns in Richtung des Museums der inneren Mongolei zu begeben, das wir eh auch sehen wollten.

Wir haben das Museum auch gut gefunden, allerdings haben sie mich nicht reingelassen. Nachdem mein Pass ja weg war, habe ich immer nur noch eine Kopie und ein Foto auf dem Handy meines neuen Passes mit, da man eigentlich überall auch nur mit dem Foto reinkommt. Zumindest in und um Peking und Shanghai. Nicht so in der inneren Mongolei, wo man anscheinend ohne Originalpass nicht in ein Museum gehen darf. Abi ist dann mit mir wieder zum Hostel zurück, um meinen Pass zu holen, damit wir uns nochmal auf den Weg zum Museum begeben konnten. Die Busse in Hohhot kennen wir dann jetzt wohl ganz gut. Das Museum war ziemlich interessant. Das Gebäude an sich und die Gebäude drum herum waren sehr modern und schonmal einige Fotos wert. Nachdem wir dann auch endlich rein durften, haben wir uns zunächst den Teil der Ausstellung angesehen, der sich mit der Urzeit befasste. Die riesigen Dinsoaurier-Skelette waren schon beeindruckend.

Der zweite Teil hat die Flora und Fauna der Inneren Mongolei dargestellt. Wir haben uns dabei hauptsächlich über die schlecht präparierten Tiere lustig gemacht, deren Gesichter meistens sehr merkwürdig waren. Nur die Vögel sahen gut aus.

Was auuch immer das ist - es hat einen interessanten Reißzahn Sag Lecker Sand

Nach der Flora und Fauna der Inneren Mogolei haben wir uns auf etwas über die Einheimischen gefreut, über traditionelle Kleidung, Behausung, Arbeit und dergleichen. Leider war genau dieser Teil dann gerade geschlossen, sodass wir von Urzeit über Natur direkt zu Raumfahrt übergegangen sind. Die chinesische Raumfahrt scheint zu einem großen Teil aus der Inneren Mongolei stattzufinden, es wurden auch sehr viele Menschen dazu umgesiedelt, da die Flächen gebraucht wurden, wo sie lebten.

Am nächsten Morgen sollte es dann in die Grasebenen gehen, allerdings wurde uns trotz frühen Schlafens nicht wirklich viel Schlaf gegönnt, da um 7 Uhr morgens lautes Feuerwerk zu hören war, das jeden geweckt hat. Zumindest außerhalb Pekings scheint wohl für jeden möglichen Anlass Feuerwerk normal zu sein, wahrscheinlich wurde da gerade ein neues Geschäft eröffnet. Auch zu Hochzeiten ist das wohl ganz normal.

Auf den Trip sind dann Abi, die Singapurer und ich mitgekommen. Bevor wir an unserem Ziel bei der mongolischen Familie ankamen, haben wir einen Tempel besichtigt. Der tibetanische Tempel sah ganz anders aus, als ich sie aus Peking kenne, obwohl es ja dieselbe Sparte des Buddhismus ist. Wirklich schön anzusehen.

 

Wir waren alle sehr beeindruckt von den Grasebenen und vor allem von dem klaren Himmel und guten Wetter. Als ich Mama die Fotos gezeigt und geschwärmt habe, wie schön es war, hat sie mich ausgelacht, weil es doch ein ganz normaler Himmel ist. Aber nach vier Monaten in Peking kenne ich sowas nicht mehr. Auch jede Menge Schafe, Kühe und zwei süße Hunde gab es. Einer der beiden war immer so aufgedreht, dass er alle anspringen und umarmen musste. Dabei hat er es dann auch geschafft, mich tatsächlich umzuschmeißen, obwohl er echt nicht so groß war.

Mysteriöses Etwas mitten im Nirgendwo Ein sehr glücklicher Hund, der mit Aufmerksamkeit von den Touristen überschüttet wirdSchäfchen

Wir haben uns die Zeit unter anderem mit Bogenschießen vertrieben. Ich frage mich dann jedes Mal, warum ich das nicht mehr mache, weil es mir wirklich Spaß macht. Aber das tue ich auch nur so lange, bis ich wieder einen dicken blauen Fleck am Arm habe, weil ich motorisch nunmal nicht allzu begabt bin.Abi und ich ganz professionell beim Bogenschießen

Nach dem Bogenschießen haben wir dann trockenen Kuhmist gesammelt. Wofür? Wir würden daraus ein Lagerfeuer machen! Ich hätte nie gedacht, dass ich mal Spaß daran hätte, Kuhscheiße zu sammeln, aber es war tatsächlich lustig und das Lagerfeuer hat hinterher auch gar nicht so schlimm gerochen, wie man es sich vorstellen würde. Eigentlich hat man gar nicht geahnt, was wir da verbrennen.

  So sieht es aus, wenn man fröhlich den getrockneten Kuhmist aufsammelt Und so sieht dann das Kuhmist-Lagerfeuer aus 

Reiten waren wir übrigens auch für eine Stunde, wobei das nichts allzu Besonderes war, die Pferde sind ihren üblichen Weg langgetrottet, ohne, dass man mehr machen musste, als sich festzuhalten. Die Aussicht war dabei aber sehr schön.  

Abends gab es wie gesagt dann das Lagerfeuer aus Kuhmist und geschlafen haben wir danach in einem Jurte, das ist ein klassisches mongolisches Zelt. Leider habe ich, was Sonnenaufgänge angeht, absolut kein Glück und es war wieder einmal viel zu bewölkt, um etwas zu sehen, aber das hieß dann wenigstens, dass wir uns direkt wieder hingelegt haben und noch ein wenig Schlaf kriegen konnten – diesmal ohne Nigels Drohne, die uns wachhielt.

Unser Zelt Ok, also nicht die Stirn von Kindern anfassen und andere Regeln, die es zu beachten gibt

Nachdem wir dann zurück waren, bin ich noch gemeinsam  mit Abi durch Hohhot gelaufen und wir haben uns die Wuta Pagode angeguckt. Danach haben wir gemeinsam beschlossen, dass wir keine Lust auf weitere Tempel haben und sind noch ein wenig durch Parks gelaufen und shoppen gegangen. Von den Ampelmännchen in Hohhot waren wir auch sehr fasziniert, bei grün sieht man nämlich ein laufendes Männchen.

Viele kleine Buddhas Die eigentliche Pagode im Tempel

27Juni
2017

Die großen kleinen Dinge (Teil 2)

Wartezeiten am Bahnhof sind gut dafür geeignet, mal wieder die ganzen Kleinigkeiten aufzuschreiben, die es nicht in meine Blogeinträge schaffen, weil ich immer so viel anderes zu erzählen habe. Alltägliches bleibt dann schonmal leicht auf der Strecke, egal, wie wichtig es doch eigentlich ist.

Wo soll ich denn eigentlich anfangen? Da mein Semester gerade vorbei ist, werde ich erst einmal wehmütig auf unsere Montage zurückblicken. Ich habe sie schon ein paarmal erwähnt, aber es ist schwer, sie zu beschreiben. Wir lieben unser Mojito, auch wenn wir ab und an einmal den Montag woanders zelebrieren. Als wir in Shanghai waren und danach dann nach ganzen zwei Wochen wieder das Mojito betraten, wurden wir von einem der Kellner direkt gefragt, wo wir denn waren, weil er uns so lange nicht mehr gesehen hat. Vor lauter Freude, die verrückten Ausländer wieder da zu haben und zugucken zu können, was wir wieder alles anstellen werden, haben wir direkt einmal gratis Nachos gekriegt. Natürlich haben wir uns an unserem Lieblingsort in Peking auch verewigt:

 

Was auf jeden Fall von diesen Montagen zurückbleiben wird, ist die Reaktion auf „Pompeii“ von Bastille. Ok, vielleicht wird die Reaktion nicht weiterhin sein, dass jeder, sobald wir hingehen und es spielen, auf die Tische springt und anfängt zu tanzen. Aber wir werden dieses Lied ab jetzt immer mit unserer Zeit hier in Verbindung bringen. Es ist Nigels Lieblingslied und als er es an unserem ersten Montag gespielt hat, ist er dazu einfach so abgegangen, dass wir anderen gar nicht anders konnten, als dieses Lied zu lieben. Einmal haben die Australier norwegische Freunde von sich mitgebracht. Als wir zu Pompeii alle auf die Tische gesprungen sind, hörte man nur noch ein mehrstimmiges: „Was passiert hier grade?“. Meistens können wir dann aber auch andere animieren, mit uns auf den Tischen zu tanzen, so auch die zunächst verwirrten Norweger.

Was auch noch charakteristisch an Montagen ist, ist, dass Sarah und ich Nigel und Kacper im Kickern fertigmachen. Wir spielen jede Woche und meistens hat Team Deutschland Team Australien/Polen haushoch besiegt. Die Bilanz liegt bei 13:3 Spielen. Einige Spiele, wie zum Beispiel dasjenige, bei dem ich ohne Brille gespielt habe und wir sie trotzdem noch abgezogen haben, sind in dieser Statistik nicht enthalten. Auch Darts haben wir oft gespielt, aber das haben wir meistens bei weitem nicht so ernst genommen wie das Kickern.

Chinesischer Kicker ist etwas anders als in Deutschland

An den meisten Montagen hat es uns nachts dann nochmal nach McDonald’s verschlagen. Der liegt nicht nur auf dem Campus, sondern direkt in einem unserer Wohnheime (dasjenige, in das ich für die letzten zwei Wochen umgesiedelt wurde). Da hatten wir dann auch immer noch jede Menge lustige Unterhaltungen oder verrückte Sachen, die passiert sind.

Was zumindest für mein Unileben hier auch immer sehr wichtig war, waren regelmäßige Motivationspausen. Ob ihr es glaubt oder nicht, ich habe auch tatsächlich studiert hier und musste für die Kurse immer mal wieder Essays schreiben. lernen oder Vorträge halten. Da Sarah und ich immer ein Ziel brauchten, bis zu dem wir hinarbeiten können und uns konzentrieren müssen, haben wir uns nachmittags immer zum Kaffee oder Milchshake getroffen und das Ganze dann Motivationspause genannt, da die für unsere Arbeiten natürlich sehr wichtig war. Ohne hätten wir halt keine Motivation mehr gehabt. Meistens haben wir uns dann in einen kleinen Park bei uns auf dem Campus gesetzt, den wir irgendwann nur noch „unseren Park“ genannt haben, weil wir da so viel Zeit verbrachten. Zu Anfang des Semesters, irgendwann Anfang März, haben in der Mitte des Parks Bauarbeiten begonnen, die ewig lange kaum fortgeschritten sind, obwohl wir ständig viele Leute daran haben arbeiten sehen. Seit Kurzem befindet sich in der Mitte des Parks ein kleiner Brunnen. Das ist auch so eine typisch chinesische Sache: viele Menschen arbeiten an einer Kleinigkeit, was mit weniger Leuten viel schneller gehen würde. Auch in Cafés und Restaurants stehen oft viele Leute rum und warten, weil genau die eine Aufgabe, die ihnen zufällt, grade nicht erledigt werden muss. So passiert es schonmal, dass man ewig wartet, weil der eine zuständige viel zu tun hat, während vier Leute einfach hinter der Kasse stehen und sich langweilen. Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen. Aber zumindest in unserem Park passiert dann manchmal auch ganz schnell etwas. Einen Tag mal nicht dagewesen, schon sieht er plötzlich ganz anders aus, weil er komplett neu bepflanzt wurde. Nur der Brunnen ließ halt ewig auf sich warten.

Was ich an unserem Campus auch immer sehr interessant fand, war, dass dort sehr viele Kinder sind. Man sieht sehr oft Eltern oder Großeltern, die mit kleinen Kindern in den Parks unterwegs sind. Besonders abends ist viel vor dem Hauptgebäude los, da fahren Kinder Roller oder Inliner, es werden kleine Parkours aufgebaut und überall tummeln sich Menschen (zumindest im Sommer).

Tagsüber tragen die sich tummelnden Menschen momentan dann alle Sonnenschirme. Man könnte ja braun werden, was für eine schreckliche Vorstellung. Schönheitsideale sind hier halt ganz anders, als im Westen. Auch viele aufhellende Pflegeprodukte kann man überall kaufen. Und ein weiteres merkwürdiges Schönheitsideal: viele Männer haben sehr lange Fingernägel, oder zumindest einen oder zwei. Damit zeigen sie angeblich, dass sie einen guten Job haben, bei dem sie nicht mit den Händen arbeiten müssen. Man sieht es hauptsächlich bei Taxifahrern und Kassierern, ich persönlich finde, es sieht eklig und ungepflegt aus, aber jedem das Seine. „Die Kinesen“, wie Sarah immer so gerne sagt. Und das fällt sehr oft, es gibt immerhin ständig etwas neues Überraschendes zu beobachten. Oder es dient halt einfach nur als Ausdruck der Resignation, weil man es eh nicht verstehen wird. „Es ist China“ ist auch oft eine sehr umschreibende Erklärung für vieles, von scheinbar bescheuertem, was einem jedem Tag begegnet, bis zu Verwirrung und Stress. Aber nach vier Monaten hat man sich da doch schon eine ganz schön dicke Haut zugelegt, die Worte „China halt“ werden mit einem Schulterzucken gesagt und alle nicken verständnisvoll.

 

Und mal wieder gibt es noch viel zu viel, das erwähnt werden muss, aber nur eine bestimmte Länge an Text auf einmal. Mehr über "die Kinesen" gibt es dann hoffentlich bald. Fortsetzung folgt...

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